Presse und Medien

Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

Mehrere Personen mit Foto- und Videokameras auf einer Pressekonferenz © Peter Förster

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  • Anlagenbau der Zukunft
    Collaborative Engineering im Anlagenbau

Es ist bereits Tradition geworden, im 2-Jahres-Rhythmus die Tagung »Anlagenbau der Zukunft« in Magdeburg durchzuführen. Das Fraunhofer IFF, der Zweckverband zur Förderung des Maschinen- und Anlagenbaus Sachsen-Anhalt e.V. (FASA e.V.) sowie der VDMA laden Fachexperten und Wissenschaftler aus der Branche ein, um gemeinsam aktuelle Themen im verfahrenstechnischen Anlagenbau, wie das Collaborative Business, Lösungsansätze zum Einsatz unternehmensinterner und unternehmensübergreifender IT-Tools und die Anwendung von virtuellen Demonstrations- und Trainingsszenarien zu diskutieren.

Ging es im vorigen Jahr noch um Themen wie das E-Business oder den Funktionalitätenvergleich von elektronischen Marktplätzen in der Branche und allgemein gültige Aussagen zum E-Business-Hype und dessen Marktdurchdringung, so änderten sich die Schwerpunkte inzwischen grundlegend.

Zur ACHEMA 2003, die im Mai ihre Pforten in Frankfurt Main wieder geschlossen hat, wurde die Situation der Branche deutlich. Heute sind 58.000 Beschäftigte in der deutschen Anlagenbaubranche beschäftigt. Das Auftragsvolumen ist um 4 % auf 16,8 Mrd. € gestiegen. Lurgi hat vor kurzem einen Auftrag zur Errichtung eines unterirdischen Gasspeichers in der Türkei erhalten und übernimmt dabei das gesamte Detailengineering sowie die Lieferung der Turbinen und Kompressoren. Linde hat einen 380 Mill. € Auftrag aus Norwegen erhalten. Auf der norwegischen Insel Melkoja wird Europas größte Erdgasverflüssigungsanlage errichtet. Linde übernimmt das Projektmanagement, das Engineering, die Beschaffung und die Bauüberwachung. DOW Chemical wird im Chemiedreieck Leuna, Schkopau, Böhlen bis zum Jahr 2012 bis zu 1,8 Milliarden € investieren. Die strategische Ausrichtung gen Osten ist unverkennbar. 400 km Pipiline von Stade nach Teutschenthal für Ethylen und Propylen zur Weiterbverarbeitung von Kunststoffen sind in der Planung. Vor wenigen Wochen erfolgte der Spatenstich für eine PET-Anlage von DOW Chemical, der Wertumfang beträgt 100 Mil. €, der Fertigstellungstermin soll Ende 2004 sein. Das niederländische Unternehmen Flur Daniel hat in 2002 den Internationalen Projektmanagement-Award gewonnen. Das Unternehmen rüstete in kurzer Zeit Raffinerien der VEBA-Tochter Ruhröl so um, dass nach verschärften Richtlinien schnell Treibstoff produziert werden konnte. Statt ordnerweise Verträge zu erstellen, wurden die Verträge partnerschaftlich aufgesetzt. Es gab eine offene Kommunikation, gemischte Teams sowie klare, gemeinsame Ziele. Offene Kommunikation setzt auch eine leistungsfähige IT-Infrastruktur voraus. Wenn auf verteiltes Engineering gesetzt wird, müssen die Schnittstellen stimmen und das Projektmanagement funktionieren. Software für die Projektsteuerung ist unabdingbar. EDM-Systeme mit integriertem Workflow und 3D-Systemen mit moderner Datenbank-Architektur sind zwingende Voraussetzung.

Im weltweiten Geschäft, wo beispielsweise das Basicengineering in Deutschland erarbeitet wird, das Detailengineering in Osteuropa und der Stahlbau durch lokale Unternehmen realisiert wird, ist die Welt ein großes Netzwerk.

Es gilt die Frage zu beantworten, wie innerhalb solcher Netzwerke Projekte gemanagt werden und wie es gelingt, einen fehlerfreien Informationsaustausch zwischen allen Projektbeteiligten zu realisieren. Innerhalb der Branche werden neue Wege beschritten. Wenn beispielsweise eine Pharmawirkstoffanlage bei Boehringer Ingelheim 900 Ausrüstungspositionen und 4500 Rohrleitungen enthält, bedarf es komplexer und intelligenter Software. Ohne 3D-Planung geht nichts mehr.

Ressourcen liegen in Verwaltungsprozessen. Wenn es gelingt, die Effizienz der Verwaltung zu erhöhen, können Kosten gespart werden. Hier schlummert ein erhebliches Verbesserungspotenzial.

In einer Studie des FASA e. V. »Partnering - Die Zukunft der Unternehmenskooperation« wurde bereits 1999 festgestellt, dass Durchlaufzeiten bis zu 38% und Kosteneinsparungen in Höhe von 35% durch Partnerschaftskonzepte möglich sind. Das setzt Vertrauen, Offenheit und ein unternehmensübetrgreifendes, abgestimmtes Informationsmanagement voraus. Indem es gelingt, die richtige Information zur rechten Zeit am rechten Ort zu haben und ein funktionierendes Changemanagement vorhandenen ist, ist eine wichtige Voraussetzung für ein effizientes Projektmanagement geschaffen.1

Dokumentenmanagementsysteme sind wertvolle Unterstützung in allen Phasen der Anlagenplanung und Anlagenrealisierung. Dokumente müssen schnell, zeitlich und lokal flexibel bereitgestellt werden. Wichtig dabei ist, dass nicht nur die formale Ablage sondern die kontrollierte Herausgabe und Hereinnahme kontrollierter Dokumente der Schlüssel zum Erfolg sind.

Wachsenden Anforderungen durch Globalisierung gilt es gerecht zu werden. Viele Projekte laufen nicht nur unternehmensübergreifend sondern auch parallel in mehreren Ländern. Bei der zunehmenden Zahl von Großprojekten werden der reibungslose Informationsfluss und die gesicherte Verteilung der Dokumente, die revisionssichere Archivierung und Wiederverwendung der Dokumente und Informationen zum entscheidenden Faktor. Viele Unternehmen nutzen Kooperationen, um gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.2

Wissensmanagement wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Groupwaresysteme, Dokumentenmanagementsysteme und Workflowsysteme sind ein MUSS, d.h. leistungsfähige Informationstechnologie und das Vorleben einer Wissenskultur durch das Management bringen Erfolg. Der Einsatz von leistungsfähigen Wissens-Datenbanken, das Einrichten von virtuellen Team-Rooms zum Vernetzen aller Projektmitarbeiter und der Zugriff auf IuK-Plattformen sind auf dem Vormarsch.

Diese Themen werden Gegenstand der Tagung Anlagenbau der Zukunft »Collaborative Business« am 4. und 5. März 2004 im MARITIM Hotel in Magdeburg sein. Der Programmbeirat ist sich sicher, Ihnen ein interessantes Programm präsentieren zu können. Wir laden Sie sehr herzlich ein, mit uns gemeinsam zu diskutieren und würden uns freuen, Sie am 4. und 5. März 2004 in Magdeburg begrüßen zu können!

1 Kruse, Thurow, Urbansky: Partnering – Die Zukunft der Unternehmenskooperation, Magdeburg 1999, ISBN 3-8167-5586-0.

2 Urbansky, Andrea: Telematikgesteuerter Workflow in einem Kunden-Lieferanten-Netzwerk des verfahrenstechnischen Anlagenbaus. In: Tagungsband »Kooperation – Strategische Allianzen und Wertschöpfungspartnerschaften für Dienstleistung und Handel«. Fachkolloquium 1998, Magdeburg.